Christusdorn (Paliurus spina-christi)

Christusdorn an Wegrand im Var
Christusdorn an Wegrand im Var
Der Christusdorn (Paliurus spina-christi Mill., Syn.: Paliurus aculeatus Lam.) wächst als wenige Meter hoher Strauch besonders auf dem Balkan, weniger im westlichen Mittelmeergebiet, wo er wahrscheinlich oft durch den Menschen angepflanzt und so verbreitet worden ist.
Der Christusdorn ist laubwerfend und gehört zur Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae). An den Küsten Kroatiens ist er im Juni nicht zu übersehen, denn er ist ein bestimmendes Element küstennaher Hecken und Gebüsche und der Flaumeichen-Orienthainbuchenwälder (Carpinetum orientalis adriaticum).
Christusdorn an der Küste Kroatiens; im Hintergrund die Insel Pag
Christusdorn an der Küste Kroatiens; im Hintergrund die Insel Pag
Christusdorn und Clematis spec. (häufig miteinander im küstennahen Kroatien)
Christusdorn und Clematis spec. (häufig miteinander im küstennahen Kroatien)

Ein dorniges Gewächs

Mit diesen Dornen ist nicht zu spassen
Mit diesen Dornen ist nicht zu spassen
Die Dornen sind umgewandelte Teile des Blattes, nämlich umgewandelte Nebenblättchen. Da Nebenblätter normalerweise in Zweizahl (am Grunde des Blattstiels) auftreten, sind auch 2 Dornen zu erwarten. Interessanterweise sind aber die beiden Nebenblattdornen nicht gleich gebaut: Ein Dorn ist stark und aufrecht (siehe AD), der andere kurz und gekrümmt (siehe GD). Eine mögliche Erklärung wäre diese: Der aufrechte Dorn schützt die in der Blattachsel sitzende Knospe, der gekrümmte Dorn hilft beim Festhalten oder beim Klettern.
Nebenblattdornen: AD = aufrechter, starker Dorn; GD = gekrümmter, kleinerer Dorn
Nebenblattdornen: AD = aufrechter, starker Dorn; GD = gekrümmter, kleinerer Dorn

Blütenbau

Die Blüten sind eigentlich unscheinbar; sie stehen aber in grosser Zahl in Blütenständen zusammen. Die 5 oval-lanzettlichen Kelchblätter sind grösser als die Kronblätter und stehen sternförmig ab. Die kleinen Kronblätter bedecken oft kapuzenartig die vor ihnen stehenden Staubblätter. Innen bildet eine Scheibe (Diskus) reichlich Nektar. In diese Scheibe ist der Fruchtknoten leicht eingesenkt.
Ke = breites Kelchblatt (Sepalum); Kr+St = Kronblatt (Petalum) und Staubblatt; D = Diskus (Scheibe); Gr+Na = Griffel und Narben
Ke = breites Kelchblatt (Sepalum); Kr+St = Kronblatt (Petalum) und Staubblatt; D = Diskus (Scheibe); Gr+Na = Griffel und Narben
Blütenbesucher: Weissfleckwidderchen (Syntomis phegea) und Ameise
Blütenbesucher: Weissfleckwidderchen (Syntomis phegea) und Ameise

Früchte

Ganz auffällig gebaut sind die Früchte. Sie sind kreisförmig und haben einen gewellten, häutigen Rand!
Reifende Früchte
Reifende Früchte
Letztjährige Früchte und diesjährige Blüten; Var
Letztjährige Früchte und diesjährige Blüten; Var

Dornenkrone Christi?

Wurden Zweige dieses Strauches zur Herstellung der Dornenkrone Christi verwendet (oder ein sehr nah verwandter Strauch: Ziziphus spina-christi)?
Dies ist durchaus möglich, denn Ziziphus soll immer noch am Tempelberg in Jerusalem wachsen! Allerdings ist zu bedenken, dass nicht weniger als etwa 12 dornige Pflanzenarten dieser Gegenden in Frage kommen könnten.
 
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