Nepenthes madagascariensis: Haare und Drüsen

Nepenthes madagascariensis bietet mannigfache Haar- und Drüsenformen. Fast die ganze Pflanze ist bedeckt von Einfachhaaren und von winzigen, peltaten Haaren. Reichlich ausgebildet sind auch Nektar- und Verdauungsdrüsen. Gerade die Kanne bildet verschiedene Drüsenformen aus, und die Frage stellt sich: Lohnt sich dieser Aufwand für die Pflanze überhaupt? Die "Kosten" für diese Differenzierungen (Verdauungsdrüsen, Deckeldrüsen, Tepalendrüsen, Peristomdrüsen) müssen ja durch die Photosynthese der Blätter und durch den Gewinn an Mineralien durch den Fang an Kleintieren nicht nur gedeckt werden, sondern es muss ja sogar ein Nettogewinn für Wachstum etc. erwirtschaftet werden!

1 Pelziger Haarschutz                  Schutz

2 Peltate Haare                           Hydathoden?

3 Kraushaare                              Kannen-Verschluss

4 Deckeldrüsen                           Nektar

5 Peristomdrüsen                        Nektar

6 Tepalendrüsen                         Nektar

7 Verdauungsdrüsen                   Verdauungsenzyme, Resorption, wahrscheinlich Umwandlung von Stoffen    

Pelziger Haarschutz (1)


1 Pelzig behaarte Kannenanlage

2 Mehrzellige, uniseriate Haare (siehe Schmid-Hollinger 1971)

Peltate Haare (2); Hydathoden?

Die Unterseite der Blätter von N. madagascariensis ist besetzt von winzigen Schildhaaren (neben Einfachhaaren). Die Oberseite dagegen ist glatt und leicht glänzend-hell.
In Sri Lanka abgeschnittene Blätter von N. distillatoria wiesen nach wenigen Minuten ein unglaublich stark absinkendes Blattgewicht auf. Haben diese Schildhaare mit dem Wasserhaushalt etwas zu tun?
Die Schildhaare von N. madagascariensis sind sehr klein (leicht grösser als die Epidermiszellen) und sind eingesenkt mit kurzem Stiel. Ihre Form ist unregelmässig bis viereckig; die Zellenzahl des Schildes ist gering ( 8 Zellen und mehr).
Die Kleinheit und die unregelmässige Form erinnern an Nepenthes mirabilis und an N. gracilis. Phylogenetische Beziehungen? Siehe: Meimberg/ Heubl 2006.

Blattunterseite mit reichlich peltaten Haaren (verschiedene Vergrösserungsstufen 1-3)


Schildhaare von der Aussenseite (Unterseite) der Tepalen

Die Schildhaare von Tepalen-Aussenseiten erinnern stark an kugelige Haare (Drüsen). Sind diese kugeligen Haare ganz einfach leicht gewölbte Schildhaare?

Form von Schildhaaren (Vergrösserung x1000)

Kraushaare (3)

Kraushaare am Deckelrand und unterhalb des Peristoms garantieren den Verschluss der wachsenden Kanne ("Velcro"-Prinzip).

1 Haarbesatz unterhalb des Peristoms (Aussenseite)

2 Haare der Deckelperipherie (Schmid-Hollinger 1971)

3 Haare unterhalb der Peristom-Aussenseite (Schmid-Hollinger 1971)

Verschluss: Sind die Kraushaare allein zuständig?

Der Deckelrand der Deckelanlage passt genau in eine Delle der Kannenanlage. Funktioniert hier zusätzlich das "Druckknopf"-Prinzip?

Deckelanlage und Kannenanlage passen zusammen (DA = Deckelanlage, KW = Kannenwandanlage)

Deckeldrüsen (4)

Die Deckeldrüsen sind gross (rund bis oval), offen und zentriert an der Basis der Deckelunterseite.

Deckeldrüsen

A Grosse Drüsen mit rundlicher bis ovaler Form

B Anlage einer Deckeldrüse (DA = Deckelanlage)

Peristomdrüsen (5)

Die wurstförmigen, tropfenartigen Drüsen liegen im Inneren des Peristoms und münden in einer rundlichen Oeffnung.

Peristomdrüsen (PD = Peristomdrüse)

Tepalendrüsen (6)


Tepalendrüsen


Drüsendichte und Drüsenformen auf der Tepalenoberseite (in verschiedenen Vergrösserungsstufen)

Verdauungsdrüsen (Enzymbildung, Resorption, Umwandlung) (7)


Obere Kannendrüsen mit Epidermistaschen


Schnitte durch eine Drüse mit teilweiser Bedeckung (1-4)


Grosse Verdauungsdrüsen im unteren Teil der Kannen


Schnitte durch die flachen Verdauungsdrüsen des Kannengrundes


Drüsenepithel mit zylinderförmigen Zellen, unter diesen Zellen liegen unregelmässig gerundete Zellen (wahrscheinlich Umwandlung von Stoffen)

 
Copyright | Sitemap | Seite weiterempfehlen | Impressum