Nepenthes pervillei: Form und Bau der Kannen

Nepenthes pervillei wächst auf den Bergen von Mahé und Silhouette (Seychellen) in Wäldern oder auf Felsbuckeln. Dementsprechend klettert die Liane in den wenig hohen Bäumen der Bergstufe, oder sie breitet sich teppichartig auf glatten Felsen aus.
Die Kannen entstehen an Kurztrieben, recht selten an Langtrieben.
Die bauchig-zylindrische, elegante, meist gelbe Kanne ist an Kurz- und Langtrieben gleich gebaut. Rotfleckige Kannen treten an unteren Kurztrieben oder an schattigen Stellen auf und sind oft geflügelt.

Nepenthes pervillei (Seychellen)

Kannenformen

Die gelben Kannen sind im unteren Teil bauchig-trichterförmig, im oberen Teil dagegen zylindrisch. Richtung Peristom ist der Zylinderteil ebenfalls trichterförmig erweitert.
Rötlich gefärbte Flügelkannen gibt es besonders auf Silhouette und auf Le Niol (Mahé).
Der bauchig-trichterförmige Teil der Kannen, der die Verdauungsdrüsen enthält, ist häufig bis weit nach oben verlängert, entsprechend kurz ist dann der zugehörige Zylinderteil.

Die typische Kanne (gelb, bauchig-trichterförmig und zylindrisch)


Der bauchig-trichterförmige Teil wird oft nach oben verlängert


Blattform:

Langtriebblätter lanzettlich

Kurztriebblätter umgekehrt eiförmig (siehe ganz rechts aussen)


Rötlich gefärbte Kannen, rechte Kanne geflügelt

Wie wird die wachsende Kanne steril verschlossen?

Bizarre Haare des Deckelrandes einerseits, ebensolche Haare der Kannenaussenwand andererseits, verschliessen die Kannenanlage nach dem "Velcro"-Prinzip. Zusätzlich passen Deckelrand einerseits und eine Rille der Kannenaussenwand andererseits ineinander ("Druckknopf"-Prinzip; siehe bio-schmidhol/ Nepenthes madagascariensis: Haare und Drüsen).

1 Deckelrand mit scharf begrenzter Kraushaarzone

2 Kannenaussenwand

3 Druckrille (hier passt der Deckelrand hinein)

4 Kraushaare

5 Peristom

Deckeldrüsen

Die zerstreut auf der Unterseite des Deckels liegenden Nektardrüsen sind eingesenkt. Eine winzige Pore der Drüse liegt mitten eines vorstehenden Walles. Das Ganze gleicht einem Krater.
Gehäuft sind die Nektardrüsen an der Basis und an der Peripherie des Deckels.

Deckeldrüsen mit winziger Oeffnung

Peristom (Kragen)

Das Peristom ist punkto Zähne und Rippen nicht so starr gebaut, wie doch der einfache Querschnitt vermuten liesse. Allerdings ist der Aussenrand kaum eingerollt, und die Zähne sind meist klein. Ein grösserer "Halszahn" fehlt sogar.
Trotzdem: Die Rippen können flach oder spitz verlaufen. Die Zähne können unscheinbar oder recht spitz aussehen. Auch die Breite des Peristoms kann gehörig schwanken.
Peristomdrüsen-Oeffnungen liegen unterhalb der Rippen und lassen sich nur mit grosser Mühe unter starker Vergrösserung finden.

1-3 Querschnitte durch Peristom (Aussenrand kaum eingerollt; Zähne recht klein)

4 "Halssporn" (grösserer Halszahn) fehlt


Rippen und Rillen


Kurze Peristomzähne (unten)

Lange, spitze Peristomzähne (oben)


Oeffnungen der Peristomdrüsen unterhalb der Rippen (stark vergrössert)

Spitzchen (calcar, spur)

Das meist kurze Spitzchen ist oft gegabelt, etwas dick gebaut -der Kannenmittelnerv ist sehr stark gebaut- und selten abgeflacht.

Vielgestaltiges Spitzchen

Verdauungsdrüsen

Der obere, zylinderartige Teil der Kannen ist glitschig (Wachszone).
Die meist scharf abgesetzte Verdauungszone kann grob in 2 Unterzonen aufgeteilt werden: Die ersten, locker verteilten Drüsen sind überwölbt von Epidermistaschen. Der Bedeckungsgrad derselben nimmt nach unten zunehmend ab. Im untersten Kannenteil sitzen rundliche, unbedeckte, dicht stehende Verdauungsdrüsen.

Verdauungsdrüsen mit Epidermistaschen


Untere, unbedeckte, dicht stehende Verdauungsdrüsen

Kannenflügel ("Wimpern")


Kannenflügel mit "Wimpern"

Kleinkännchen

Auch Kleinkännchen von 1 cm Länge sind voll entwickelt. Kleinkännchen besitzen voll entwickelte Verdauungsdrüsen, deren Sekret bereits erfolgreich wirkt.

1 Kleinkännchen von 1 cm Länge (Deckel noch geschlossen)

2 Kännchen von 2,5 cm Länge mit Verdauungsdrüsen und Beute

 
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