Nepenthes albomarginata

Nepenthes albomarginata Lobb ex Lindl. wächst in Borneo und West-Malaysia, seltener in Sumatra. N. albomarginata fällt auf durch den weissen Ring direkt unterhalb des Peristoms.
Die Aufnahmen stammen von Pflanzen aus Sarawak.

Futterhaare

Der weisse Ring unterhalb des Peristoms ist nach seiner primären Herkunft nichts Aussergewöhnliches, denn die meisten Nepenthesarten bilden eine "Kraushaarzone" unterhalb des Peristoms (siehe bio-schmidhol, diverse Nepenthesarten). Diese Kraushaarzone ist oft durch bizarre Haarformen gekennzeichnet und dient mit dem wachsenden Kannendeckel als Kannenverschluss (siehe bio-schmidhol: "Welcro"-Verschluss).
Aussergewöhnlich dagegen ist die nachfolgende Ausgestaltung dieser "Kraushaarzone". Die Haare werden dichter, dicker und länger. Die Form dieser Haare erinnert an einen dicken Baumstamm mit kurzen Seitenästen.. Die Seitenäste (=Zellen) haben oft eine zwiebelartige Verbreiterung an der Basis. Wahrscheinlich werden in diesen basalen Teilen der Zellen Nährstoffe deponiert.
Nun werden diese Haare buchstäblich "abgeweidet" von Termiten (siehe Merbach 2014). Dieses Futterhaar-Geschenk erweist sich als Danaergeschenk, denn durch das Anlocken via Saft-Futterhaare gewinnt die Kanne leicht zusätzliche Beute. Merbach fand, dass Nepentheskannen mit abgeweideten Ringen meist auch im Kanneninneren mit Opfern gefüllt waren.

Weisser Ring unterhalb des Peristoms


Der weisse Ring besteht aus einem kompakten Haarbesatz


P  Peristom    R  Weisser Ring    Pfeil: Rinne, hervorgerufen durch den Deckelrand


Längsschnitt durch den weissen Ring (Kannenaussenwand)


Einzelhaar des weissen Rings (baumstammartig und basale Zellteile verbreitert)


Obere Reihe: Einzelhaare    Untere Reihe: "Filz" aus Kurzhaaren

Trichomhydathoden

Trichomhydathoden (Haare, die Wasser sezernieren) finden sich in grosser Zahl auf allen Jungstadien. Sie sind recht klein und fast versenkt in die Epidermis. Ihr Umriss ist stark unregelmässig, und die Zahl der Zellen des Schildes ist gering (um 8 Zellen).

Trichomhydathoden (= dunkle, winzige Punkte) auf dem Deckel und auf der Kannenvorderseite eines Kleinkännchens von N. albomarginata


Links: Grössen-Vergleich Trichomhydathode mit Sternhaaren    Rechts: Schild einer Trichomhydathode ( x1000)


Schilder von Trichomhydathoden mit unregelmässigem Umriss

Schutzhaare

Die Schutzhaare (Sternhaare) von N. albomarginata wurden bereits von Schmid-Hollinger 1971 beschrieben.

Formen von Schutzhaaren von Nepenthes albomarginata


1  Sternhaare mit langer Hauptachse fallen auf    2  Abgeschabte Haare (zuoberst ein Schildhaar = Trichomhydathode)

3,4  Sternhaare mit verlängerter Hauptachse

Erstaunlich ist, dass kleine, wenigzellige Schildhaare (Trichomhydathoden) mit unregelmässigem Umriss besonders weit verbreitete Arten betrifft: Neben N. albomarginata N. gracilis, N. mirabilis, N. rafflesiana und N. ampullaria. Es scheint also ein Zusammenhang mit der Phylogenie dieser Arten zu bestehen!

 
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