Weiss blühende Ginster

Mit dem Wort "Ginster" verbinden wir meist die Vorstellung von Sonne, Mittelmeer und auffallend
gelben, dichtblütigen Sträuchern. Es gibt aber auch weissblühende Arten! Unter dem Begriff "Ginster" verstecken sich allerdings verschiedene Pflanzengattungen, die wir zum Teil auch tatsächlich auseinanderhalten: Ginster, Stechginster, Geissklee, Flügelginster, Zwergginster...
Die genaue Zuordnung vieler Arten zu einer speziellen Gattung ist leider noch immer nicht abgeschlossen, deshalb werden wir uns auch in Zukunft weiterhin mit Umteilungen abfinden müssen.
Die Aufnahmen stammen aus Andalusien, Extremadura, Algarve und Teneriffa.

Cytisus multiflorus (L`Hér.) Sweet/ Lusitanischer Ginster

escoba blanca, piorno, escoba (Spanien)
giesteira-branca (Portugal)

Gelb-weisse Ginsterhänge im Grenzgebiet Spanien/Portugal


Cytisus multiflorus in prachtvoller Entwicklung

Cyt. multiflorus wird auch in Mitteleuropa in Gärten gehalten, besonders aber ein robuster Bastard ist beliebt:

Cytisus x praecox = Cytisus purgans x Cytisus multiflorus (= Elfenbeinginster)

In Spanien wächst ein weiterer, vermuteter Bastard:
Cytisus multiflorus x Cytisus oromediterraneus

C. multiflorus ist also bei uns eine gern gehaltene, aber empfindliche Art, nicht so in Australien und Kalifornien. Dort sind C. multiflorus und der Bastard mit C. scoparius bekannt als aggressive Neophyten, die Grasland oder dort heimische Gehölze (Aufwuchs von Eukalyptus-Arten) konkurrenzieren.

Blüten und behaarte Hülsen; es gibt zweierlei Morphotypen (grossblütige und kleinblütige)


Die Hülsen entlassen bei Vollreife ihre Samen explosionsartig; die Samen bleiben jahrelang keimfähig

Retama monosperma (L.) Boiss.

retama blanca (Spanien)
piorno-branco (Portugal)

Die Gattung Retama (der Name stammt aus dem Arabischen rátam) wird gelegentlich als Gattung Lygos Adanson zitiert.
Die Sträucher werden bis 3 m hoch. Typisch für die Gattung sind feine, hängende Aeste, schmale, hinfällige Blättchen und einsamige, rundliche bis umgekehrt-ovale Hülsen, die nicht aufspringen.

Feinästiger Strauch mit hängenden Aesten


R. monosperma mit weissen Blüten


Blüten und Früchte an hängenden Aesten


Angschnittene, umgekehrt-eiförmige Hülse mit 1 Samen; Aeste mit vielen, feinen Rillen

Zum Vergleich: Retama sphaerocarpa

retama común (Spanien)
piorno-amarelo (Portugal)
Die Blüten dieses Strauches sind gelb und deutlich kleiner als die Blüten von Retama monosperma. Die Aeste haben weniger Rillen als R. monosperma, und die Hülsen sind meist kugelig.

Retama sphaerocarpa: Strauch mit gelben Blüten


1  Hoher, reich verzweigter Strauch    2  Hängende, anscheinend blattlose Zweige (Blätter fallen früh ab)

3  Fast runde Hülse    4  Zweig mit etwas weniger und gröberen Rillen als bei R. monocarpa

Spartocytisus supranubius (L.f.) Christ ex Kunk.

Echter Teideginster/ "Retama del Teide"
Der weiss blühende Teideginster ist ein Wahrzeichen rund um den Teide. Alte Kugelbüsche können grössere Ausmasse (über 20m) erreichen. Die meist graugrünen Aeste stehen aufrecht. Die Hülsen werden zuletzt schwarz.

Teide-Ginster im November


Der Teide-Ginster prägt die Landschaft


Schwarze Hülsen (rechts oben) und abgestorbener Ginster (rechts unten)

Der Teideginster wird in Schach gehalten durch Kaninchen, die gerne Sämlinge auffressen. Allerdings wurde herausgefunden, dass der Teideginster zur Klonierung fähig ist. Der Beitrag zur Vermehrung durch Klone soll aber gering sein im Verhältnis zur Vermehrung durch Samen (Plant Ecology 2006).

Chamaecytisus proliferus (L.f.) Link/ Sprossender Zwergginster

Der Sprossende Zwergginster wird auch als Sprossender Geissklee bezeichnet, spanisch Escobon.
Da der Strauch durchaus Baumhöhe erreichen kann, ist der deutsche Name "Zwergginster" sehr irreführend.
Der Ginster lebt als Kanarenendemit in Höhen von 700 m bis über 2000 m über Meer und ist sehr begehrt als Futterpflanze. Alte Sträucher, die schon über viele Jahre ausgebeutet (beschnitten) wurden, sehen manchmal abenteuerlich aus.

Der reichblühende, als Futterpflanze begehrte "Sprossender Zwergginster"


Blütenteile (Fahne) und Hülsen sind behaart; auch die dreizähligen Blätter sind oft behaart


Altes, bizarres Exemplar von Chamaecytisus proliferus

 
Copyright | Sitemap | Seite weiterempfehlen | Impressum