Lavandula, Rosmarinus, Helichrysum: Umgerollter (revoluter) Blattrand, Haarpelz und Drüsen

Im Mittelmeergebiet stehen Pflanzen -besonders im Sommer- vor sehr grossen Herausforderungen, denn die Einstrahlung und die hohen Temperaturen bedeuten Wasser-Stress. Damit die Pflanzen durch die Transpiration nicht gänzlich austrocknen, wurden ganz verschiedene Strategien ausgelesen.
Einige Pflanzen vermindern die Blattfläche (schmale Blätter), bilden Haarpelze (Haare vermindern die Einstrahlung) oder erzeugen unterseits durch Einrollung geschützte Stellen (der direkte Wasserverlust durch übermässige Transpiration wird so etwas gemildert).
Natürlich gibt es weitere Schutzmöglichkeiten. Weit verbreitet sind dickere Kutikula, zusätzliche Hypodermisschichten und versenkte Spaltöffnungen.Ob die recht häufig auftretenden Drüsen mit ätherischen Oelen auch die Transpiration herabsetzen, ist nicht eindeutig belegt.

1  Lavandula angustifolia    2  Rosmarinus officinalis    3 Helichrysum italicum (Immortelle, Strohblume)

Schmallängliche Blätter


1  Lavendel    2  Rosmarin    3  Strohblume

Ober- und Unterseite der Blätter

Lavendel und Strohblume sind beidseitig stark behaart, Rosmarin dagegen ist nur unterseits stark haarig. Bei Lavendel und Strohblume können ältere Blätter verkahlen.

1  Lavendel   2  Rosmarin    3  Strohblume

Blatt-Querschnitte (umgerollter Rand = revolut)


1  Lavendel   2  Rosmarin    3  Strohblume

Drüsenreiche Blätter

Lavendel und Rosmarin haben -inmitten des Haarpelzes- kugelige Drüsen ("Drüsenschuppen", "Labiatendrüsenschuppen").
Strohblumen erzeugen recht kleine, zahlreiche, gestielte Drüsen, die im Gewirr der Haare nur mit Mühe auszumachen sind.
Dass Drüsen einerseits Lockfunktionen, andererseits aber Abwehrfunktionen ausüben, ist unbestritten.

Kugelige Drüsen ("Labiatendrüsenschuppen") bei Lavendel (1) und Rosmarin (2)

Winzige, gestielte Drüsen bei der Strohblume (3)

Lavandula angustifolia

Lavendelblätter sind beidseitig von mehrzelligen, verzweigten, bäumchenartigen Haaren bedeckt (dendritic trichomes).
Die "Drüsenschuppen" sind oval bis kugelig gebaut und lagern das ätherische Oel zwischen den rosettenartig stehenden Drüsenzellen und der darüberliegenden Kutikula, die dadurch allmählich bauchig gewölbt wird.
Lavendelöl wird allerdings nicht aus den Blättern, sondern aus den Blüten (samt Kelch) gewonnen:
Lavandulae flos; Lavandulae aetheroleum
Hauptbestandteil: Linalylacetat, Linalool

1  Blätter beidseitig mit verzweigten Haaren bedeckt    2,3  Mehrzellige, verzweigte Haare (dendritic trichomes)


Kugelige bis eiförmige "Labiatendrüsenschuppen"

Rosmarinus officinalis

Rosmarinblätter sind nur unterseits dicht behaart. Die dunkelgrüne Oberseite ist aber nicht glatt, sondern runzelig, wellig.
Unter der Oberseiten-Epidermis liegt eine grosszellige Hypodermis (früher "Wassergewebe" genannt), die 1-6 Reihen von kaum verdickten Grundgewebezellen umfasst. In Tangentialschnitten sieht man, dass die Palisadenzellen gruppenweise angeordnet scheinen, d.h. die Hypodermis dringt stellenweise tiefer ein.
Dicke Kutikula und zusätzliche Hypodermis haben offenbar die gleiche Funktion wie ein Haarpelz: Reflexion bestimmter Strahlung und damit weniger Absorption für das Blatt (und damit Senkung der Temperatur und schliesslich Verminderung der Transpiration, siehe Fahn/Cutler 1992).
Die Haare sind mehrzellig und meist verzweigt (dendritic trichomes). Allerdings kann man auch reduzierte Haare, die eher Sternhaaren gleichen, antreffen.
Die sehr zahlreichen Drüsenhaare sind "Labiatendrüsenschuppen". Es treten aber auch einfache Drüsenhaare mit Stiel und Endköpfchen auf.
Aetherisches Oel besteht zur Hauptsache aus Cineol, Campher und Borneol. Siehe: Rosmarini folium; Rosmarini aetheroleum.

1  Runzelige Blattoberfläche    2 Epidermis und Hypodermis (helle Oberseite); dicht gepackte Palisadenschicht, oberseitig wellig

3  Tangentialschnitt (Palisadenbündel, dazwischen Grundgewebe; von oben gesehen)

4  Epidermis und darunter die grossen Zellen der Hypodermis


Die Haare sind meist verzweigt (dendritic trichomes)


Links: Rundliche bis eiförmige "Labiatendrüse"    Rechts: Einfachdrüse mit Stiel

Helichrysum italicum


Helichrysum italicum

Helichrysum italicum ist ein Korbblütler mit gelben Röhrenblüten und gehört zur Unterfamilie der "Asteroide" und zum Tribus "Inuleae".
Die Art hat wechselständige Blätter und Doldentrauben. Die sehr stark duftende Immortelle bildet schmallängliche, dicht pelzig behaarte Blätter. Der Haarpelz besteht aus unverzweigten, mehrzelligen Haaren mit einem besonderen Bau: Die untersten Zellen des Haares sind kurz und enden in die oberste dieser Basalzellen, die ballonartig rundlich verdickt ist. Darauf folgt die sehr lange Endzelle, die "Geissel".
Drüsenhaare gibt es auf der Unterseite des Blattes in Mengen. Sie sind aber versteckt im Knäuel aus Geisselhaaren.
Diese Drüsenhaare haben einen zweizellreihigen Stiel und ein etwas längliches Köpfchen, in dem die Sekrete gebildet werden.
Diese Form der Drüsenhaare ist völlig verschieden von den Labiatendrüsenschuppen. Die Sekrete werden freigesetzt durch das Aufbrechen der Kutikula.
Nach Ascensão et al. (2001) besteht das Sekret hauptsächlich aus alpha-Pinen. Pinene sind farblos, riechen terpentinartig und sind wasserunlöslich (so auch in Myrte, Fichtennadeln und anderen Pflanzen).

Geisselhaare (sehr lang ist die Endzelle); die Basiszellen sind kurz und enden in einer ballonartigen Zelle (siehe Pfeile)


Drüsen auf der Blattunterseite


Beachte den zweizellreihigen Stiel der Drüsen und den mehrzelligen Drüsenkopf (siehe Pfeile)

 
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