Wärme tanken im November (Antaxius pedestris, Oedipoda germanica)

Die Gipfel der umliegenden Berge (z.B. Wasenhorn und Hübschhorn im Simplongebiet) sind bereits verschneit. Die unterhalb der Schneegrenze liegenden Wälder zeigen bereits ihre Farbenpracht, besonders die Lärchen.
Am Schallberg (ca. 1300 m über Meer) herrschen um die Mittagszeit noch fast milde Temperaturen am 1. November 2016 (Allerheiligen).
Heuschrecken, deren Lebenszeit bald zu Ende gehen wird, benützen diese Milde zum Sonnenbad an einer Mauer.

Wasenhorn und Hübschhorn sind verschneit; die Wälder färben sich (1. November 2016)

Atlantische Bergschrecke (Antaxius pedestris)


Atlantische Bergschrecke (Antaxius pedestris)

Antaxius pedestris gehört zur Ordnung "Ensifera" (Langfühlerschrecken). Ihr Vorkommen ist west- bis mitteleuropäisch (von den Pyrenäen bis Oesterreich, vorwiegend in den Alpen).
In der Schweiz treffen wir die Art besonders im Wallis, im Tessin und in Graubünden.
Bis jetzt ist die Art nie aus Deutschland gemeldet worden. 2014 und 2016 jedoch die Sensation: Antaxius pedestris lebt bei Ludwigshafen (grössere Population) und offenbar in München. Breitete sich die Art aus eigener Kraft aus, oder wurde sie unwissentlich als "Mitfahrer" eingeschleppt? Diese Frage muss noch geklärt werden.

Gattungsmerkmal:

Vorder- und Mittelschenkel (pro- und mesofemur) am äusseren Ende mit dunklem Ring; Vorder- und Mittelschiene (pro- und mesotibia) am inneren Ende ebenfalls mit dunklem Ring (siehe Harz 1969).

Artmerkmale:

Der Halsschild-Seitenlappen (paranotum) bildet am unteren Rand einen hellen, sehr auffälligen Saum.
Die Legeröhre (ovipositor) des Weibchens verläuft fast gerade und ist am Ende abgeschrägt.
Die Bergschrecke lässt sich nicht so leicht wegscheuchen. Chopard bemerkte 1938:
"Chez certains Tettigoniides, l`insecte dérangé fait également un saut unique, puis il reste absolument immobile, il plonge pour ainsi dire dans les broussailles".
Dies konnten wir bestätigen.

Dunkle Ringe an Schenkel (pro- und mesofemur) und Schiene (pro- und mesotibia)


Heller Saum am Halsschild- Seitenlappen (paranotum)


Links: Cerci (paarige Anhänge) des Weibchens

Rechts: Legeröhre (ovipositor) mit abgeschrägtem Ende

Oedipoda germanica (Rotflügelige Oedlandschrecke)

Oedipoda germanica gehört zur Ordung der "Caelifera" (Kurzfühlerschrecken). Ihr Vorkommen ist mittel- bis südeuropäisch, westasiatisch (Ingrisch/ Köhler,1998). Das Areal reicht von Nordspanien bis in die Türkei (ZHAW, Garzotto, 2015/ Orthoptera.ch, Roesti und Rutschmann).
Die relativ reichlichen Vorkommen im Wallis täuschen leicht darüber hinweg, dass durch den Verlust an geeigneten Biotopen diese Art in Mitteleuropa vielerorts am Verschwinden ist. In Baden-Württemberg gilt sie gar als vom Aussterben bedroht.
An diesem Novembertag ist jedenfalls Oedipoda germanica im Gebiet des Schallbergs zahlreich vertreten an Felsen und Mauern.

Zum Aussehen:

Diese graue Heuschrecke mit dunklen Binden scheint auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv zu sein. Ganz anders, wenn sie aufgeschreckt wird und auffliegt. Die prächtige rote Farbe erschreckt und fasziniert zugleich! Da diese Heuschrecke der Blauflügeligen Oedlandschrecke recht nahe steht, werden hier einige Merkmale aufgezählt.

Merkmale

Die Hinterschienen (posttibia) haben einen hellen Ring (Coray/Thorens, 2001).
Die Hinterschenkel (postfemur) sind nicht abrupt, sondern allmählich verengt an der oberen Kante des Schenkels.
Das Halsschild (pronotum) ist eher oberflächlich glatt (und nicht runzelig), der Mittelkiel (carina medialis) ist kaum erhöht.

Rotflügelige Oedlandschrecke (Schallberg/ Simplon)


Links: Heller Ring an Hinterschiene; allmähliche Verengung der Oberkante des Hinterschenkels

Rechts: Unauffällige, fast glatte Oberfläche des Halsschildes

 
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