Tannen (Abies) in der Mittelmeerregion

Diese Website widme ich dem Andenken meines längst verstorbenen Vaters, August Schmid-Ackle, Förster und Gemeindeammann in Ueken, AG, Schweiz, der "seine" Wälder wirklich liebte.

Die Mittelmeerregion besteht nicht nur aus Palmen, Macchia etc., denn bei dieser vereinfachten Sichtweise geht vergessen, dass die Region sehr gebirgig ist und mehrere Vegetationszonen umfasst.
Spanische Tanne (Abies pinsapo), Sizilianische Tanne (Abies nebrodensis) und Griechische Tanne (Abies cephalonica) sind Endemiten der Mittelmeerregion und nah verwandt mit der Weisstanne (Abies alba). Besonders während der Eiszeiten erfolgten Hybridisierungen und Genintrogressionen.
Blondel et al. (1999/2014) teilen die häufigsten und typischsten Baumarten der Mittelmeerregion in Lebenszonen ein:

Abies pinsapo                               supra-mediterran

Abies nebrodensis                         montan-mediterran

Abies cephalonica                         supra- bis montan-mediterran

Die sehr ähnlichen Tannenarten unterscheiden sich durch die Nadeln und die Zapfen!

Nadeln: Länge, Spitze, Anordnung

Zapfen: Form der Schuppen, Deckschuppen sichtbar?

Abies pinsapo Boiss. (Spanische Tanne, spanish fir)

Abies pinsapo (vermutlich zusammengesetzt aus span. pino = Kiefer, Pinie und aus gallisch-keltisch sapos = Tanne; siehe Genaust 1996) wächst in Südspanien und Marokko.

Links: Wuchsform kegelförmig, pyramidenartig

Rechts: Grösserer Bestand in der Sierra de Grazalema (1000-1800m über M.)


1,2  Verzweigung oft durch 3 quirlförmig abgehende Seitenäste    3  Kurze, allseitig  senkrecht abstehende Nadeln


Bürstenförmige Anordnung; Nadeln: Unterseite mit 2 weissen Streifen, dicht stehend, starr und dick, stumpf bis leicht spitzig


Zapfen länglich-stumpf


Deckschuppen nicht sichtbar (kürzer als die dicht schliessenden, breiten Samenschuppen)

Abies pinsapo wird abgetrennt von der Sektion "Abies" als eigene Sektion "Piceaster" infolge der äusserlich nicht sichtbaren Deckschuppen. Diese werden ja völlig überdeckt von den Samenschuppen.
Die Art wird häufig aufgeteilt in A. pinsapo ssp. hispanica Maire und in A. ssp. marocana Emb. et Maire. Die dekorative Tanne wird gerne als Ziertanne gepflanzt.
A. pinsapo kann über 300 Jahre alt werden. Durch Jahrhunderte wurden die Populationen dezimiert durch Abholzung, Beweidung und besonders durch Brände!
A. pinsapo hält die Sommerdürre aus, erhält aber im Winter reichlich Regen (Grazalema: bis 2m pro Jahr). Diese Tanne wird aber neu gefährdet durch ausgedehntere Sommertrockenperioden (Klimawandel) und wird damit vermehrten Attacken durch Pilze und Insekten ausgesetzt sein.
Die Sierra de Grazalema ist heute eingestuft als "Unesco-Biosphärenreservat". Dies ist erfreulich, vermag aber die Gefahren durch den Klimawandel nicht aufzuheben.
Abies pinsapo bleibt gefährdet (IUCN Red List).

Abies nebrodensis (Lojac.) Mattei

Diese Tanne aus Sizilien ist benannt nach den Monti Nebrodi, wo dieser sehr seltene Endemit leider nicht mehr vorkommt. Die letzten Exemplare (um 30 Bäume) wachsen in den Monte Madonie (Parco delle Madonie) in der Nähe des Bergstädtchens Polizzi Generosa.
Die durch Beweidung, Brenn- und Bauholzgewinnung zerstörten Wälder brachten diese Tanne an den Rand des Aussterbens (nach IUCN-Einstufung als CR = Critically Endangered).
Nach Venturella et al. (1997) wachsen die noch vorhandenen Exemplare auf einer Fläche von 100 Hektaren in der Höhe von 1400-1650 m ü. Meer.
A. nebrodensis wird gelegentlich als Subspecies von A. alba betrachtet (ja sogar nur als Varietät). Die neuesten Untersuchungen (Vendramin et al., 1997) bestätigen jedoch die Eigenständigkeit der Art mittels Analysen (DNA, Enzyme, Monoterpene). Aber auch die Ektomykorrhiza-Pilze der Wurzeln der beiden Tannenarten sind verschieden!

Lebensort von Abies nebrodensis (überbeweidet und entwaldet)


Reichlich fruchtendes Exemplar von Abies nebrodensis

Keimlinge haben keine grossen Ueberlebenschancen (ungünstiger Aufwuchs in erodiertem Gelände, Verbiss oder Frass, Aufwuchs von buschiger Vegetation wie Ginster etc.).
Durch ex situ-Förderung via Anzucht durch die regionale Forst-Administration und durch in situ-Pflege (Schutz unter Tannen mit geeigneten Stellen) ist es gelungen, über 100000 Sämlinge zu gewinnen. Berechtigte Hoffnung, dass Abies nebrodensis überlebt, besteht!
Zusammen mit Abies nebrodensis wachsen weitere immergrüne Arten (z.B. Quercus Ilex etc.), aber auch laubwerfende Arten wie Fagus silvatica, Acer- und Sorbusarten. Es ist ein Mix aus immergrünen und laubwerfenden Arten, die Pignatti (1978) zurückführt auf den Wandel vom Pliozän ins Pleistozän.

Zapfen mit Deckschuppen

Die Zapfen haben eine stumpfe Spitze. Ihre Deckschuppen (= Tragblätter) ragen aus den Samenschuppen heraus.
Nadeln: Kurz (10 mm und wenig mehr), starr; Spitze stumpf, fast gestutzt, leicht eingekerbt (siehe Skizze in Pignatti 1982); Oberseite dunkelgrün, Unterseite blaugrün mit 2 weisslichen Streifen.

Darstellung von Abies nebrodensis auf einem Teller

Die Darstellung von A. nebrodensis stammt von einem sizilianischen Künstler. Der Teller, fabriziert durch die Firma DeSimone, wurde den Teilnehmern des IV OPTIMA-Symposiums 1983 geschenkt.

Abies cephalonica Loud. (Griechische Tanne)

Abies cephalonica wächst -entgegen der Namensgebung- nicht nur auf der Insel Kefallinia = Kefalonia (Ionische Insel), sondern in grossen Teilen Griechenlands auf einer Höhe von 900-1800 m über Meer. Im Zentral-Peloponnes bildet diese Tanne ausgedehnte Bergwälder, oft sogar in fast reinen Beständen auf sehr kargen Kalk-Schutthalden.

Mainalon (Zentral-Peloponnes): Abies cephalonica bedeckt ganze Berghänge


Lockerer Bestand mit A. cephalonica auf trockenen, steinigen Hängen mit wenig Begleitarten (Pinus nigra, Juniperus, wenige Papilionaceen)


Nach der Entlassung der Samen fallen die Samenschuppen zu Boden; die Zapfenachse bleibt aber länger erhalten

Bei reifen Zapfen treten die Deckschuppen deutlich hervor und sind zurückgebogen. Deckschuppen sind bei fast allen erwähnten Arten sehr gut zu erkennen, einzig bei Abies pinsapo sind die Deckschuppen kurz und nicht direkt sichtbar.

Männliche Zäpfchen; da diese rot gefärbten Gebilde nur Staubblätter tragen (keine Brakteen dazwischen), werden sie als Blüten betrachtet; bei Abies allgemein gelten die weiblichen Zapfen als Blütenstand, die männlichen Zäpfchen dagegen als Blüte  


Nadeln von Abies cephalonica

Die Nadeln (bis 30mm!) sind bedeutend länger als bei den anderen erwähnten Arten, zudem sind sie deutlich stechend-spitzig! Dadurch weicht A. cephalonica klar ab von A. alba, A. nebrodensis und A. pinsapo.
A. cephalonica gilt als "nicht gefährdet". Allerdings ist zu bemerken, dass gerade in den letzten Jahren -besonders auf dem Peloponnes- gewaltige Brände die Wälder zerstören!
 
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