Nepenthes veitchii II

Längere Haare und fast überall auftretende, mikroskopisch kleine sternartige Haare, sowie peltate Trichome bedecken die Oberfläche von Nepenthes veitchii.
Die Aufnahmen stammen von Pflanzen vom Berg Santubong (Sarawak). Einige Präparate mussten aufgehellt und mit Safranin gefärbt werden.

Längere und kleinere Schutzhaare (links)    Peltate Trichom-Hydathoden (rechts, siehe Pfeile)

Schutzhaare

Auf jungen Stadien von Nepenthes veitchii ist der Haarbesatz - besonders aus langen, sternartigen Haaren- sehr dicht. Auf älteren Pflanzenteilen lassen sich sehr gut kleine Sternhaare und locker dazwischengestreute, sternartige Langhaare unterscheiden.
Die Basis dieser Langhaare ist in die Epidermis versenkt. Das Haar beginnt mit einer Basiszelle, die offenbar mit der übrigen Epidermis wurzelartig vernetzt ist. Um diese Basis steht ein Strahlenkranz von länglichen Epidermiszellen. Die Langhaare sind primär sternartig gebaut, und der Grundaufbau des längeren Astes entspricht demjenigen anderer Nepenthes-Arten (mehrzellige Haare mit seitlichen "Auswüchsen"). Das Einzelhaar besteht aus vielen seitlichen Zell-Auswüchsen, die sich auch in der Längsachse wiederholen. Es ist zu vermuten, dass diese Stern-Haare Tendenzen zum verzweigten (dendritic) Haar aufweisen.
Diese sternhaarigen Langhaare sind äusserst dickwandig und brechen leicht ab.

Dichter Haarbesatz auf Jungstadien


1 Dichter Haarbesatz aus kleinen Sternhaaren auf älteren Pflanzenteilen    2 Kleine Sternhaare und sternartige Langhaare auf einer Blattmittelrippe    3 Dicht behaarter Ausschnitt aus einem Blütenstand    4 Dicht behaarte Kannenanlage


Formen des sternartigen Langhaares ("wurzelartige" Basis, reichlich Zellauswüchse)


1  Abgebrochene Basiszelle (beachte die dicke Zellwand)    2 Abgebrochenes, unteres Sternhaar mit noch wenigen Auszweigungen

3, 4, 5   Die Radiärstruktur der Epidermis um die Basis eines sternartigen Langhaares

Trichom-Hydathoden (Schildhaare)

Die sehr kleinen Trichom-Hydathoden sind in diesem dichten Haarbesatz schwierig aufzuspüren. Ihr Schild ist wenigzellig (um 8 Zellen) und rundlich bis unregelmässig-rundlich gebaut.

LH  Basis eines sternartigen Langhaares    Sp  Spaltöffnung    TH  Trichomhydathode


Trichom-Hydathoden mit kurzem Stiel und wenigzelligem Schild


Schilder von Trichom-Hydathoden

Blütenstände

Die Blütenstände sind länglich-schmal gebaut und weisen durchwegs Seitenachsen mit 2 Blüten auf (zweiblütige Cymen). Der Blütenstand kann als Thyrsus bezeichnet werden (siehe bio-schmidhol: Nepenthes northiana/ Blütenstände und Blüten).

Zweiblütige Cymen

Weibliche Blüten

Die Tepalen der weiblichen Blüten sind zurückgeschlagen (ebenso die Tepalen der männlichen Blüten) und tragen relativ grössere, offene Nektardrüsen wie die meisten Nepenthesarten.

Fruchtknoten und Tepalen mit Nektardrüsen


Erstaunlicherweise sind bei diesen Exemplaren nur wenige Früchte herangereift! Mangel an Bestäubern (windige Bergkante)?

Männliche Blüten

Das Androphor ist -im Gegensatz zu den meisten Nepenthesarten- ebenfalls mit Sternhaaren besetzt, zudem ist es schlank gebaut. Der Antherenkopf besteht aus 1-2schichtigen Antherengruppen, wobei einzelne, obere Antheren nicht gerade, sondern leicht gewellt am Antherenkopf liegen. Eine Apikalgruppe jedoch fehlt!

Pedicelli und Androphor sind behaart; P  Pedicelli,  A  Androphor


Antherenköpfe von Nepenthes veitchii

Zur Nepenthes-Phylogenie

Nur Konvergenz?

Nepenthes veitchii hat überraschend viele Merkmale mit Nepenthes mirabilis:

Winzige Verdauungsdrüsen in grosser Zahl

Gleichartige Trichomhydathoden

Lange, schmale Blütenstände

Breites Peristom

Schmales Androphor

Gelegentlich hat auch Nepenthes mirabilis zweiblütige Cymen

Gelegentlich hat auch Nepenthes mirabilis ein Deckel-Apikalanhängsel (siehe bio-schmidhol: Nepenthes mirabilis)

Gelegentlich hat auch Nepenthes mirabilis ein sehr breites Peristom (var. echinostoma)

Kleinere Sternhaare gleichen sich

Natürlich kann man einwenden, eine so weit verbreitete und variable Art wie Nepenthes mirabilis habe Merkmale mit vielen Nepenthesarten gemeinsam. Trotzdem: gleiche Trichom-Hydathoden, sehr ähnliche Kanneninnenwand und sehr ähnliche Blütenstände sind eventuell doch nicht nur Konvergenzen!

 
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