Sarraceniaceae (Schlauchpflanzen)

Die Familie der Schlauchpflanzen (Sarraceniaceae) besteht aus 3 Gattungen: Sarracenia (Schlauchpflanzen, Trompetenblätter), Darlingtonia (Kobralilie) und Heliamphora (Sumpfkrüge, Sumpfkannen).
Heliamphora wächst in Südamerika, besonders auf den eigenartigen Tafelbergen (Tepuis) in Guayana; die beiden anderen Gattungen sind nordamerikanisch.
Sarracenia flava; Carnivoren-Sammlung Lyon
Sarracenia flava; Carnivoren-Sammlung Lyon
In fast allen Sammlungen ist sicher Sarracenia flava vorhanden. Aus einem Rhizom entspringen rosettenartig schlanke, bis 1 m hohe Fangblätter. Ein solches Blatt hat verschiedene Zonen: Lockzone, Drüsen-, Gleit- und Resorptionszonen. Belohnt wird mit Nektar. Haarzonen mit abwärts gerichteten Haaren erschweren das Entkommen.
Sarracenia flava: Verstärkte Schauwirkung durch farbige Nerven; Deckel = Blattspitze
Sarracenia flava: Verstärkte Schauwirkung durch farbige Nerven; Deckel = Blattspitze
Sarracenia flava: Attraktive Halsregion
Sarracenia flava: Attraktive Halsregion

Verwandtschaft

Die Sarraceniaceen wurden lange in Beziehung gebracht zu den Nepenthaceen (Kannenpflanzen). Beide haben Fangtrichter, die durch das Verwachsen der Blattränder entstehen (epiascidiate Blätter): Das Innere des Trichters ist die Blattoberseite, das Aeussere wird gebildet durch die Blattunterseite.
Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede: Die Nepentheskanne ist nur ein Teil des Blattes; der Deckel entsteht aus vorwüchsigen Spreitenteilen. Nepenthes klettert. Die Kannen bilden Verdauungsflüssigkeit.
Der Sarraceniaceen-Schlauch besteht fast aus dem ganzen Blatt (selten wird ein langer Blattstiel entwickelt). Der "Deckel" besteht aus der Blattspitze. Verdauungsflüssigkeit wird wenig gebildet und sehr selten tritt strauchiger Wuchs auf (bei einer Heliamphora-Art).
Heute wird angenommen, dass die Sarraceniaceen verwandt sind mit der südafrikanischen Taupflanze (Roridula), mit Kiwiartigen und anderen "Ericales", z.B. mit den Primelgewächsen, die eventuell präkarnivore Arten enthalten.

Weitere Sarracenia-Arten

Sarracenia purpurea (in der Schweiz angepflanzt)
Sarracenia purpurea (in der Schweiz angepflanzt)
Sarracenia minor: Gewölbter Deckel, oft rote Färbung
Sarracenia minor: Gewölbter Deckel, oft rote Färbung
Sarracenia psittacina (Papageien-Schlauchpflanze): Deckel als Helm ausgebildet mit
Sarracenia psittacina (Papageien-Schlauchpflanze): Deckel als Helm ausgebildet mit "Fensterchen", Schläuche am Boden liegend, mit breitem Kiel (Flügel)
Sarracenia leucophylla: Weisse Färbung der oberen Teile; sehr erfolgreich im Insektenfang
Sarracenia leucophylla: Weisse Färbung der oberen Teile; sehr erfolgreich im Insektenfang

Kobralilie (Darlingtonia californica)

Die gespaltene "Schlangenzunge" (die beiden Flügel unterhalb des Helms) flösst den Insekten nicht etwa Angst ein, sondern lockt mit Nektardrüsen.
Unglaublich: Darlingtonia nutzt einen Reflex der Insekten aus. Insekten -besonders verängstigte- fliegen nach einer Lichtquelle, denn das bedeutet Entkommen und Freiheit. Aber die Fenster sind geschlossen; die ständigen Versuche wegzufliegen, ermüden. Das Insekt stürzt ab und wird Beute. Auch Sarracenia-Arten bedienen sich dieses Tricks!
Darlingtonia californica mit
Darlingtonia californica mit "gespaltener Zunge" und Fensterchen
Darlingtonia californica: Blüte
Darlingtonia californica: Blüte
Die meisten Blüten der Sarraceniaceen sind gross und auffällig, so auch bei Darlingtonia: Die länglichen, hellen Kelchblätter überragen die kleineren, purpurenen Kronblätter.

Sumpfkrug (Heliamphora)

Heliamphora minor
Heliamphora minor
Bei allen Heliamphora-Arten ist der Deckel stark reduziert; er bildet gerade noch ein "Löffelchen" mit stark duftenden Nektardrüsen.
Ob eigene Verdauungsenzyme gebildet werden oder ob nur die Bakterien die Beute zersetzen, ist unklar.
Spektakulär ist die Entdeckung zahlreicher neuer Arten in den letzten Jahren!
Heliamphora-Hybride, Palmengarten Frankfurt
Heliamphora-Hybriden, Palmengarten-Frankfurt
Allen Sarraceniaceen ist gemeinsam, dass ihre Variabilität sehr gross ist und deshalb zu zahlreichen "Kultivaren" geführt hat; ebenso sind viele Hybriden erzeugt worden.
Dies gilt übrigens auch für die mit ihnen keineswegs verwandten Nepenthaceen.
 
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