Judasbaum (Cercis siliquastrum L.)

Der Judasbaum ist eine Zierde des gesamten Mittelmeerraumes. Seine reichblütigen Trauben erscheinen vor den rundlichen, herzförmigen Blättern. Der Judasbaum trägt bis über 10 cm lange Hülsen.
Beheimatet ist Cercis im östlichen Mittelmeergebiet, ist aber heute als Zierbaum überall angepflanzt.
Cercis in voller Blüte; Alhambra, Granada
Cercis in voller Blüte; Alhambra, Granada
Cercis mit letztjährigen Hülsen, Frühlings-Blüten und jungen Blättern
Cercis mit letztjährigen Hülsen, Frühlings-Blüten und jungen Blättern

Kauliflorie

Die Blüten brechen in Büscheln aus dem Altholz hervor. Diese Erscheinung, die als Stammblütigkeit (Kauliflorie) bezeichnet wird, herrscht besonders bei einigen Tropenpflanzen vor.
Stammblütigkeit (Kauliflorie)
Stammblütigkeit (Kauliflorie)

Zum Blütenbau

Der Botaniker Rikli schildert:
Bereits vor der Blattentfaltung entwickelt er aus dem alten Holz büschelweise eine Unmenge wohlriechender, tief violettroter Blüten - ein herrlicher Anblick, besonders da zur Zeit ihrer Anthese der Uferwald in der Regel noch kahl steht.
Kronblätter eines Judas-Baumes
Kronblätter eines Judas-Baumes
Die Kronblätter sind zusammengesetzt aus 5 freien Blättern: Zuäusserst (d.h. unten) 2 Kronblätter, die das "Schiffchen" bilden; oben seitlich 2 "Flügel" (die aber bereits innerhalb des "Schiffchens" stehen) und zuletzt oben-innen die "Fahne".
Die Stellung der Kronblätter eines Schmetterlingsblütlers (Fahne, Flügel, Schiffchen) ist beim Judasbaum sozusagen auf den Kopf gestellt!
Blütenvergleich Glycine (links) - Judasbaum (rechts)
Blütenvergleich Glycine (links) - Judasbaum (rechts)
Bei der Glycine dominiert die Fahne. Sie bedeckt (von oben nach unten) die Flügel und zuinnerst das Schiffchen. Der Judasbaum dagegen hat die genau umgekehrte Stellung.
Der Judasbaum gehört deshalb -trotz Hülsen- zur Familie der Johannisbrotgewächse (Caesalpiniaceae).

Staubblätter

Die Blüten des Judasbaumes haben 10 freie Staubblätter.
Blüte mit 10 freien Staubblättern
Blüte mit 10 freien Staubblättern
Auch hier zeigt sich ein bedeutender Unterschied: Die Glycine hat Staubblätter, die zu einer Röhre verwachsen sind. Nur ein einziges Staubblatt der Filamentröhre ist frei.
Glycine (Staubfadenröhre) links; Judasbaumblüte mit freien Staubblättern (rechts)
Glycine (Staubfadenröhre) links; Judasbaumblüte mit freien Staubblättern (rechts)
Es gibt Cercis-Arten, die im Sommer sehr schönes Laub besitzen. Eine nordamerikanische Art glänzt durch eine Mutation mit schwärzlich-roten Blättern.
Mutation mit schwärzlich-roten Blättern
Mutation mit schwärzlich-roten Blättern
Um den Judasbaum haben sich Legenden gebildet.
Judas habe Jesus unter einem Cercis siliquastrum verraten.
Judas soll sich -nach der Ueberlieferung- an diesem Baum erhängt haben.
Die Blüten sollen ursprünglich weiss gewesen sein, aber angesichts der Kreuzigung Christi erröteten die Blüten aus Scham.
 
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