Armfüsser (Brachiopoda) ... weder Füsse noch richtige Arme!

Die im Meer lebenden Armfüsser werden nicht sehr gross, allermeist nur wenige Zentimeter lang. Die Gruppe ist aber recht alt und viele sind ausgestorben, wenige haben bis heute überlebt. Erstaunlich ist die Tatsache, dass die Brachiopoden in ihrer über 500 Mill. Jahre dauernder Präsenz sehr selten grössere Formen entwickelt haben.

Der äussere Bau

Armfüsser sind geschützt durch 2 Schalen. Die Bauchklappe (ventral) wird auch als Stielklappe bezeichnet. Sie ist länger als die Rückenklappe und weist oft ein Loch auf, durch das der Stiel austritt.
Armfüsser von der Rückenseite
Armfüsser von der Rückenseite
Die Tiere können mehrere Jahre alt werden; Zuwachsstreifen zeichnen sich ab.
Armfüsser von der Seite und Loch der Bauchklappe
Armfüsser von der Seite und Loch der Bauchklappe

Innerer Bau

Armfüsser sind Filtrierer und Partikelfresser (z.B. Kieselalgen). Wichtig für diese Funktion ist der spiralige "Kiemendarm" (Lophophor). Neben einem Magen-Darm-Kanal, einem Ausscheidungsorgan (Nephridium) und Ganglien, sind mehrere Muskelzüge unentbehrlich.
Vereinfachtes Schema: L = Lophophor, MD = Magen-Darm, NO = Nierenartiges Organ, ST = Stiel; Museum Allerheiligen
Vereinfachtes Schema: L = Lophophor, MD = Magen-Darm, NO = Nierenartiges Organ, ST = Stiel; Museum Allerheiligen

Typische Formen

Die Fossilien im Aargauer Jura lassen sich grob in 2 Gruppen aufteilen:
Brachiopoden mit glatter Schale (Rücken etwa gewellt) und Brachiopoden mit Rillenstruktur.

"Terebratula"-Typ, Dogger; Ueken (CH)

"Rhynchonella"-Typ, Dogger; Ueken (CH)
Oft liegen die beiden Schalen parallel geschlossen aneinander. Beim "Rhynchonella"-Typ dagegen sind die Schalen oft gezackt (gezackte Kommissur). Es wird vermutet, dass die Zackung Sandkörner viel besser vor dem Eindringen ins Innere abhalten kann.
Gezackte Kommissur
Gezackte Kommissur

Massenentfaltung

Nicht selten findet man ganze Platten von Brachiopoden. Sie waren riffbildend.
Die zusammengedrängten Einzelexemplare hatten kaum Kontakt untereinander, aber die Vermehrung dieser relativ kleinen, getrenntgeschlechtlichen Lebewesen war so gesicherter.
Platte mit Coenothyris, Oberer Muschelkalk; Museum Allerheiligen
Platte mit Coenothyris, Oberer Muschelkalk; Museum Allerheiligen
Brachiopoden-Platte, Dogger; Ueken (CH)
Brachiopoden-Platte, Dogger; Ueken (CH)

Durch alle Zeiten

Platystrophia (Ordovicium); Spirifer (Unterkarbon); Senckenberg
Platystrophia (Ordovicium); Spirifer (Unterkarbon); Senckenberg
Septaliphoria (Oxfordium); Terebratula (Bajocium); Spiriferina (Lias); Nat. Museum Basel
Septaliphoria (Oxfordium); Terebratula (Bajocium); Spiriferina (Lias); Nat. Museum Basel
 
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