Milium effusum subsp. alpicolum in den Schweizer Alpen

Die Waldhirse oder Flattergras (Milium effusum s.l.) wächst in Eurasien und Nordamerika. Heute wird die Art in Mitteleuropa unterteilt in Milium effusum subsp. effusum und in M. effusum subsp. alpicolum (Conert 1992; Oberdorfer et al. 2001; Fischer, Adler, Oswald 2005). Landolt (2010) erhebt die Unterart gar in den Artrang: Milium alpicolum (Chrtek) Landolt.
Die nachfolgenden Abbildungen zeigen die Berechtigung der Abtrennung der Alpenpopulationen als eigene Sippe, gestützt durch die Morphologie und die Oekologie. Zum Vergleich wurden Populationen aus dem Mittelland (Aargau) und aus dem Simplongebiet (Wallis) beigezogen.

Wuchsorte (Aargau/Wallis)

Aargau: Milium effusum subsp. effusum (abgekürzt = Mee) wächst in dem betreffenden Waldstück, das fast keine ursprüngliche Vegetation mehr aufweist, vorwiegend spontan an frisch-feuchten Waldwegrändern.
Wallis: Milium effusum subsp. alpicolum (abgekürzt = Mea) ist im Simplongebiet lokal vertreten entlang von frisch-feuchten Staudenfluren.
Oben: Mee entlang eines Waldweges (Aargau); unten: Mea reichlich in Staudenflur (Simplon)
Oben: Mee entlang eines Waldweges (Aargau); unten: Mea reichlich in Staudenflur (Simplon)

Rispe und Aehrchen

Milium effusum effusum (Mee):
Rispe lang, weit offen, pyramidenartig; sehr lange unterste Seitenäste; Aehrchen locker verteilt; unterste Seitenäste mit 8-15 (selten bis 20) Aehrchen.
Milium effusum alpicolum (Mea):
Rispe länglich-schmal; mit kürzeren Seitenästen; Aehrchen dicht stehend; trotz kürzeren Seitenästen aber mehr Aehrchen, meist 20-28 (selten unter 20).
Gesamt-Rispen (Mee links; Mea rechts)
Gesamt-Rispen (Mee links; Mea rechts)
Ausschnitt aus den Rispen (Mee links; Mea rechts)
Ausschnitt aus den Rispen (Mee links; Mea rechts)
Unterste Rispenäste (a = alpicolum; e = effusum)
Unterste Rispenäste (a = alpicolum; e = effusum)

Hüllspelzen (glumes)

Die Hüllspelzen von Milium effusum alpicolum erscheinen rauer.
Hüllspelzen (a = alpicolum; e = effusum)
Hüllspelzen (a = alpicolum; e = effusum)
Die Milium effusum alpicolum - Hüllspelzen erscheinen rauer
Die Milium effusum alpicolum - Hüllspelzen erscheinen rauer

Wo wächst Milium effusum alpicolum?

Diese Alpensippe wächst in üppigen Hochstaudenfluren (Adenostylo - Cicerbitetum) und in Grünerlenbeständen (Alnetum viridis).
Hochstaudenflur (AC), Grünerlenbusch (Av)
Hochstaudenflur (AC), Grünerlenbusch (Av)
Die Kennarten: Grauer Alpendost (Adenostyles alliariae) und Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina)
Die Kennarten: Grauer Alpendost (Adenostyles alliariae) und Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina)
Hochstaudenflur
Hochstaudenflur

Dies ist keine neu aufgetauchte Art!

Milium effusum alpicolum ist keine neu aufgetauchte Art, sondern eine Sippe, deren Eigenständigkeit erst in neuerer Zeit erkannt wurde. Als Milium effusum wurden Exemplare schon vor über 100 Jahren registriert in der Gegend Gletsch/Furka.Die Exemplare lassen sich aber nun gut als Milium effusum alpicolum charakterisieren.
Cicerbita alpina, darin M. effusum alpicolum (Gletsch)
Cicerbita alpina, darin M. effusum alpicolum (Gletsch)
Milum effusum alpicolum (Gletsch)
Milium effusum alpicolum (Gletsch)
 
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