Contorte Aestivation (gedrehte Knospendeckung)

Aestivation: Was ist das?

Unter Aestivation verstehen wir die Stellung der Blütenhüllblätter zueinander. Besonders aufschlussreich ist die Stellung der Kronblätter zueinander, denn oft charakterisiert die Anordnung der Kronblätter ganze Gattungen oder gar Familien.
Drosophyllum: Stellung der Kronblätter (links junge Blüte; rechts Schnitt durch Blüte)
Drosophyllum: Stellung der Kronblätter (links junge Blüte; rechts Schnitt durch Blüte)
Contort: Diese Stellung bedeutet, dass die Kronblätter wie die Schaufeln einer Turbine zueinander stehen: Jedes Kronblatt überdeckt einerseits ein Nachbar-Kronblatt, wird andererseits aber auch von einem Nachbar-Kronblatt überdeckt.
Sogar eine Pflanzen-Ordnung wurde früher als "Contortae" bezeichnet: Asclepiadaceae, Apocynaceae, Gentianaceae...
Innerhalb der "Carnivoren" lassen sich ebenfalls solche Gruppierungen ausmachen!

Droseraceae, Dionaea

Die Aestivation ist oft contort; aber auch ähnliche Knospendeckungen manifestieren sich (imbricat oder cochlear, siehe Ronse de Craene 2010).
Diagramm von Dionaea (nach Eichler 1878)
Diagramm von Dionaea (nach Eichler 1878)

Drosophyllum (Drosophyllaceae)

Drosophyllum lusitanicum zeigt meistens ein sehr schönes, contortes Muster.
Der Musterfall
Der Musterfall "contort"
Abweichende Stellung (cochlear)
Abweichende Stellung (cochlear)
Die abgebildete Blüte von Drosophyllum zeigt eine abweichende Stellung: Ein Kronblatt steht ganz aussen, eines ganz innen und die übrigen sind halb gedeckt (a = aussen, i = innen, h = halb gedeckt). Dies entspricht einer cochlearen Knospendeckung.
Entspricht dies vielleicht einer 2/5-Stellung?

Triphyophyllum (Dioncophyllaceae)

Triphyophyllum peltatum hat dicke Petalen in contorter Stellung.
Knospen von Triphyophyllum
Knospen von Triphyophyllum
Diagramm von Triphyophyllum (Schmid-Hollinger 1964)
Diagramm von Triphyophyllum (Schmid-Hollinger 1964)

Ancistrocladaceae

Ancistrocladaceen gelten -auch nach den molekulargenetischen Ergebnissen- als nah Verwandte innerhalb der erwähnten Carnivoren.
Haben die Ancistrocladaceen ihre Carnivorie aufgegeben?
Verblüffend ähnlich sind die Diagramme von Triphyophyllum und Ancistrocladus (Schmid-Hollinger 1964 und Hsuan Keng 1967).
Ancistrocladus: Diagramm; contorte Petalen (links unten: Rao; Diagramm und rechts: Keng)
Ancistrocladus: Diagramm; contorte Petalen (links unten: Rao; Diagramm und rechts: Keng)
Quellen:
Schmid-Hollinger: Die systematische Stellung der Dioncophyllaceen. Bot.JB.83, 1964.
Hsuan Keng: Observation on Ancistrocladus. Gard.Bull.Singap. XXII, 1967.
Rao: The floral anatomy of Ancistrocladus. Proceedings B, LXIX, Ind.Acad.of Sciences, 1969.
 
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