Roridula: Echt carnivor?

Roridula gorgonias (Bot. Garten Lausanne)

Die südafrikanischen Roridula-Arten (R. dentata und R. gorgonias) gelten als präcarnivor, da sie wohl mit Fangschleim Insekten fangen, sonst aber keine Verdauungsenzyme bilden.

Erfolgreicher Insektenfänger

Roridula gorgonias wird einige Dezimeter hoch. Das Stämmchen ist besetzt von auffälligen, horizontalen Blattspuren. Die linealen, bis 12 cm langen Blätter stehen gehäuft am Ende des Stämmchens. R. gorgonias lebt auf Heideböden, z.B. im "fynbos" bei Hermanus.

Verschieden lange Tentakeln

Roridula ist recht erfolgreich; sogar grössere Insekten werden gefangen!

 

Was charakterisiert nun eine carnivore Pflanze? Kriterien sind: Attraktivität, Fang, Verdauung und Absorption. Dazu muss die Carnivorie auch noch Vorteile für die Pflanze aufweisen.

 

Kriterium "Verdauung": Wie steht es damit bei Roridula? Viele carnivore Pflanzen bewältigen ihre Verdauung mit eigenen Enzymen, andere dagegen benötigen "Hilfstruppen": Einzeller, Bakterien, ja sogar symbiontische Insekten. Die Wanze Pameridea roridulae saugt die Beutetiere aus; ihr Kot bleibt auf Roridula, die nun von diesen Nährstoffen profitieren kann.

Die Forschung bringt immer mehr faszinierende Details hervor:

  • Die verschieden-langen Tentakeln produzieren verschieden starke Harzschleime. Besonders konzentrierten Schleim bilden die kurzen Tentakeln.
  • Die Wanze Pomeridea roridulae bildet um den Körper einen fettartigen Film, der sie vor dem Anhaften an den Tentakeln bewahrt.
  • Der Kot der Wanze bildet für Roridula eine gute Ergänzung. Nitrat wird von den Tentakeln über besondere Cuticular-Lücken sehr rasch aufgenommen.

 

Fazit:

Roridula darf ruhig als richtige Carnivore betrachtet werden! Dazu passt auch die heutige Einordnung in die "Ericales". Dorthin gehören nämlich auch die Sarraceniaceae, bei denen viele Vertreter -wie die Roridulaceae- gar keine eigenen Verdauungsenzyme besitzen.