Seesterne aus dem Schweizer Jura

Seesterne gehören zu den Stachelhäutern (Echinodermen). Sie besitzen eine 5-strahlige Grundsymmetrie und ein von Haut überzogenes Kalkskelett aus Platten. Bevor wir fossile Seesterne betrachten, machen wir uns mit dem äusseren Bau eines rezenten (d.h. eines heute vorkommenden) Seesterns aus dem Indischen Ozean vertraut.

 

Oberseite (OS) und Unterseite (US) eines rezenten Seesterns

 

 

Oberseite (Aboralseite)

Die Oberseite trägt oft viele unbewegliche Stacheln. Auf der Oberseite befindet sich auch die Siebplatte (Madreporenplatte). Sie stellt die Verbindung her zwischen Meerwasser einerseits und Wassergefäss-System (zur Fortbewegung und Atmung) andererseits.

Siebplatte (Madreporenplatte)

Unterseite (Oralseite)

Auf der Unterseite befindet sich der zahnlose Mund, umstellt von vielen beweglichen Kleinstacheln. In den Armen liegen die Rinnen, in denen die Radiärkanäle des Wassergefäss-Systems verlaufen. Da diese Kanäle ausserhalb des Kalkskeletts verlaufen, werden sie bei Gefahr durch randliche, bewegliche Stacheln überdeckt! Saugfüsschen, die aus den Radiärkanälen austreten, dienen der Fortbewegung.

Bewegliche Stacheln können die Radiärkanäle schützen

Bewegliche Stacheln

Zahnloser Mund umgeben von zahlreichen Stacheln

Wichtiges Merkmal

Randplatten (Marginalia) sind meist doppelt vorhanden, d.h. man unterscheidet eine obere und eine untere Randplatte. Sie sind zur Bestimmung fossiler Seesterne wichtig: Gross oder klein? Rund oder kantig? Glatt oder höckerig? Stacheln? Sehr oft sind von fossilen Seesternen nur solche isolierte Randplatten zu finden.

 

Randplatten

 

Pentasteria longispina Hess

Dieser prachtvolle Seestern wurde in den Effinger Schichten (Weissenstein) gefunden.
Die folgenden Aufnahmen wurden im Naturhistorischen Museum Basel (öffentliche Schausammlung) gemacht. Erkenntlich ist Pentasteria longispina an seinen Stacheln, die auf den oberen Randplatten sitzen.

 

Pentasteria longispina Hess, Weissenstein

 

Zur Lebensweise

Seesterne sind Bewohner des Meeresbodens. Wenige sind Schlammfresser, viele dagegen Fleischfresser und Räuber. Weichtiere fallen ihnen zum Opfer. Ihre Waffe ist die Geduld: Stundenlang können sie auf einer Muschel sitzen. Irgendwann muss die Muschel ihre Schale öffnen - dann ist es um sie geschehen. Der Seestern stülpt den Magen aus und saugt später die vorverdaute Muschel auf. Seesterne plündern so auch ganze Korallenriffe.

Pentasteria und Schlangensterne (Ophiomusium); Weissenstein

 

Pentasteria und Krebs (Eryma); Weissenstein, Abguss

Regeneration bei Seesternen

Pentasteria mit 2 regenerierten Armstücken

Seesterne haben nicht viele Feinde, höchstens schmarotzende Schnecken. Viele sind befähigt, einen Arm oder Teile davon abzustossen und diesen Teil dann zu ersetzen. Ein auf diese Weise regenerierter Armteil ist aber bedeutend kleiner als das Armstück, das ersetzt wird.

Seesterne aus Schinznach (Aargau)

Tylasteria berthandi

Eine ganz bedeutende Fundstelle wurde 1961 vom Schinznacher Arzt Keller entdeckt. Ausgewertet wurden die Funde vom Echinodermen-Spezialisten Hess, Binningen, 1972.

Die fossilen Tylasteria-Seesterne haben stark gewölbte, körnige Randplatten.

Noviaster polyplax

Bei Noviaster ist die Scheibe (der Mittelteil) gross und die Arme lang und gerade. Die Randplatten sind klein, zahlreich und dicht mit runden Körnchen besetzt.

 

In Schinznach wurden nicht weniger als 12 verschiedene Seesternarten gefunden; 7 davon waren sogar völlig neue, bisher unbeschriebene Arten.

Pseudarchaster schinznachensis; Abguss